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Etappe 11: Breguzzo - Garda

Gardasee Berge: Breguzzo (850m) -> Gaverdina (2047m) -> zu Fuß zum Rifugio al Faggin (960m) -> mit dem Taxi nach Riva (70m) -> mit dem Boot nach Garda (70m)
Wir wollten eigentlich vom Tofino abfahren (mit Blick auf den Gardasee). Doch die Gratwanderung vom Gaverdina zum Tofino schien uns nicht machbar!

Gehzeit: 4,5 h Hoehenprofil
Mittagspause: keine
Höhenmeter im Aufstieg: 1200 m
Höhenmeter als Skiabfahrt: 0 m
Download GPS-Daten: gps-data
Download kml-Datei: kml-file
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Die Sonne weckt uns. Draußen ist gigantisches Wetter und ein klarer Himmel, der nur etwas getrübt wird, als wir unsere Balkontür zum Lüften aufmachen. Aber auch das vergeht.
Zum Frühstücksbuffet sind wir die ersten – wahrscheinlich wäre dies keiner Erwähnung wert gewesen – nur für die flüchtigen Leser sollte dies nicht unerwähnt bleiben. Wir pflügen also von links nach rechts durch die kulinarischen Leckerbissen. Beim ersten einsetzenden Sättigungsgefühl dominiert sofort die Planungsarbeit, wie wir denn die durchaus respektabel anmutende schneefrei Strecke hinter uns bringen werden. Weiter oben Richtung Ledro-Berge (Gavardina, etc...) sieht es ja wieder weiß aus, aber hier unten und bis dorthin ist toller Frühling.
Wir denken es ist an der Zeit, dass uns da jemand hinauffährt. Speziell Paul ist fest davon überzeugt, dass der Schlüssel zu unserem Transport an der Rezeption (und der dort tätigen, hübschen und jungen Dame) zu suchen ist.
Paul geht also in Frontal-Verhandlung, ob uns denn niemand fahren könnte, bla, bla, bla.... . „Ja, vielleischt gibt es in eine halbe Stund meine Vater, der sie fahre kann“. Ehrlich gesagt gebe ich nicht viel drauf, und packe meinen Rucksack so, dass er sich möglichst bequem tragen lässt, vor allem wenn Ski dran festgemacht sind.
Aber Paul mit seinem Killerinstinkt hat das Biest schon erlegt und verteilt schon das Fell.
Wir warten also nach dem Auschecken in der Sonne vor dem Hotel. Schlussendlich kommt die nette junge Dame von der Rezeption mit ihrem fein gekleideten Papa vor das Hotel getreten – ich fühle mich sofort in meinen stinkenden Skitourenklamotten underdressed und deplatziert. Hoffentlich fährt der uns nicht mit seinem gepflegten Jaguar – schießt mir durch den Kopf.
Die junge Dame redet auf ihren Herrn Papa auf Italienisch und für uns viel zu schnell und heftig ein. Dieser sagt nur „ok“, und verschwindet wieder im Hotel.
Wir bekommen bloß noch die Anweisung unsere Sachen in das weiße Auto vis-a-vis der Straße einzuladen. Dort wartet ein Zweisitzer Suzuki-Samurai in der Sonne auf seinen Einsatz. Unsere Herzen schlagen schneller, denn uns bleiben die vielen Fußmarschkilometer erspart.
Schnell ist unser Esel beladen und schon kommt auch unser Chauffeur aus der Hoteltür getreten – der Barkeeper von gestern Abend, breit grinsend, da es wohl eine willkommene Abwechslung für seinen Zapf-und-Spülalltag am Ostersamstagmorgen sein wird.
Wir machen ihm klar wohin die Reise gehen soll, und scheinbar kennt er die Gegend aus der Westentasche und braust los – Paul auf der Ladefläche zusammen unseren Ski, auf meinem Rucksack sitzend (gell, du meine Sonnebrille...), und ich vorne als Beifahrer.
Ich erkenne sofort meine Rolle, kurz nachdem unser Fahrer in den Wald abgebogen ist. Je länger und je mehr ich von unseren Erlebnissen versuche zu erzählen, umso unwahrscheinlicher ist es, dass unser Fahrer Lust verspürt uns abzusetzen. Der Suzuki rattert über Kopfsteinpflaster, dann über Schotter in vielen Kehren bergan, schlingert über ein paar Schneereste und kommt schließlich ca. 8km vom Hotel und bestimmt 500 Höhenmeter weiter oben vor durchgehender Schneedecke zum Stehen. Mann, das war der tollste Lift auf dieser Tour – und die Morgensonne funkelt, als wir unsere Ski und Ausrüstung abladen und dankbar unseren netten Barkeeper wieder ins Tal schicken.
Die Ski aufgefellt, meine Sonnebrille repariert, der gewaltsam die Bügel abhanden gekommen sind und dann bei tollstem Wetter noch ein paar HM zu Fuß und dann genüsslich die Abschlussetappe anspuren. Wir gehen auf glitzernden Harsch, total allein den NW-Anstieg Richtung Gavardina hoch, vorbei an einer malerisch liegenden Alm, und immer mehr Ausblick gewinnend auf die östlichen Begrenzungsberge des Val di Fumo vom tag zuvor. Beim Blick dort rüber wird’s mir noch ganz schwindelig, wie wir uns dort von der Lobbia Alta Hütte runtergeschummelt haben... .

Bald erreichen wir Grathöhe, stellen fest, dass wir etwas mehr nach rechts queren müssen um auf den Hauptkamm des „Gavardina- Dossa della Torta-Gerbigs- U“ zu kommen. Dort angelangt sehen wir das ganze Drama vor uns. Der viele male nach oben und unten gezackte Kamm Richtung Dossa della Torta und weiter zum Tofino (unser eigentliches Ziel) ist ziemlich durchgehend überwächtet, sauber schneebeladen und links und rechts nicht umgehbar. Wir schätzen mindestens 2-3h Wegstrecke, mit Ski tragen. Nach Süden kein Schnee – wie sieht es da wohl auf der SO-Seite des Tofino aus? Im Westen hängen schon wieder Regenwolken die einen großen Bogen runter zum Tremalzo und zum Lago di Garda machen.
Wir kalkulieren kurz eine neue Variante nach Norden durch. Verwerfen diese aber schnell. Wir beschließen den wunderschönen Anstieg von heute Vormittag, als das skitechnische Highlight für heute zu verbuchen (was es auch wirklich war!), und machen uns ohne großen Bock auf echte alpine Abenteuer, auf den direkten Abstieg mit Ski am Rucksack Richtung Ledro-See. Lautes Stöhnen und Fluchen von uns selbst begleitet uns den ganzen Weg durch den unteren Wald, wo wir immer wieder mit den Skiern an den Ästen und Bäumen hängen bleiben. Aber irgendwie sind wir beschwingt, und merken langsam, dass uns eigentlich nur noch ein Atomschlag von unserem Erfolg trennen kann. Schließlich kommt ein Fahrweg und kurz drauf eine Kneipe mit Cafe. Dort bauen wir von Ski- auf Turnschuh um, trinken ein paar Cola und schon ist unser Taxi da.
Keine halbe Stunde später stehen wir in Riva del Garda am Fährhafenufer, stellen unsere Ski zwischen den Bikes ab, kaufen Fährtickets nach Garda, bestellen ein Weißbier und ne Pizza, sagen kurz daheim bescheid, und fangen an uns in unserem Erfolg zu suhlen. Der große Überschwinger kommt zwar nicht durch, denn wir haben ja zahlenmäßig 50% und mental für die letzten zwei Etappen bestimmt 80% unseres Teams eingebüßt.
Der Schritt auf die Fähre mit den Skiern in den Händen, war so ein bisschen Louis Armstrong-mäßig (weißt scho: „kleiner Schritt für mich, großer für die Menschheit“), nur dass wir wirklich am Gardasee angekommen sind, und die Amis ja nie wirklich am Mond waren... .
Wir genießen die 2-stündige Fährfahrt über die Länge des Gardasees, bekommen noch einen Wahnsinns Sonnenuntergang geschenkt, brauchen unsere Jacken (ja wieso sollten wir hier unten eigentlich frieren – ha, ha,...) und schnappen uns das vierte Hotel in dem wir anfragen. Verwunderte Blicke der Dame an der Rezeption wegen unseres Outfits und unserer Ausrüstung. Mangels Skiraum (der Lago wird total überschätzt!) landen unsere treuen Brettl im Mülleimer im Hotelzimmer und wir nach ausgiebiger Dusche im Hotelrestaurant, wo wir erst mit kugelrunden Bäuchen, Ranzenspannen und gehörigen Schiefblick versuchen die Treppe zu unserem Zimmer wieder zu finden.
Tiefer, rasch eintretender und zufriedener Schlaf lässt uns in die viel zu weichen Hotelbetten versinken.

Wir verlassen das Hotel mit ganz klaren Kurs wie die letzten Tage auch: Suche nach gefroren Wasser! Ja, wir brauchen unbedingt noch ein Foto beim Eisessen mit unserer Skiausrüstung nebendran.
Die Zeit drängt, eigentlich ziehen wir schon Richtung Busbahnhof, aber da mach gerade ne Eisdiele auf. Jeder zwei Kugel in den Becher, ein paar lustige Bilder geschossen und der Rest vom Eis landet in der Tonne – unsere vom gestrigen Abend strapazierten Mägen rebellieren ein wenig.
Wir steigen in den Bus nach Verona. Vorbei am Gardaland und dem Blick ins Flache (ja, wir haben es wirklich vom Flachen ins Flache geschafft!), landen wir ca eine Stunde später in Verona.
Mann muss schon sagen, dass es fast keine hässlichere Kulisse für den Ostersonntagmorgen, als den Hauptbahnhof in Verona gibt. Nicht mal ein kleines Cafe mit Flair gibt’s hier. Nur verpisste Ecken, dubiose Gestalten und als einzige Kneipenlokation ein abgewracktes McDonalds. Keiner, aber garantiert keiner der dort Anwesenden (außer uns) geht irgendeinem normalen Beruf nach. Schlampen, Killer und sonstige Stricher schleichen hier rum. Förmlich jedes Teil dass wir mit uns rumschleppen, ist innerhalb von Minuten auf Verwend- und Vermarktbarkeit gescannt und in seiner „Erreichbarkeit“, sicherlich mehrfach bewertet worden. Aber keiner traut sich an uns ran – scheinbar macht unser ausgemergeltes Aussehen, auch entsprechenden Gegendruck.
So steigen wir schließlich angeekelt aber unbehelligt in den Zug nach München.
Diese Fahrt geht so viel schneller, als die letzten Tage zu Fuß. Jeder von uns hat Zeit seinen Gedanken nachzuhängen. Gelegentlich ploppt ein detail hoch, daß man noch mal genüsslich zusammen tranchiert und erneut genießt.
In München holt uns Réka am Ostbahnhof ab und drückt jeden von uns einen kleinen Schoko-Osterhasen zur lieben Begrüßung in die Hand. Pech für den Hasen, dem ausgehungerten Wolf(i) in die Fänge zu laufen... .

Der Tag der Heimfahrt:
Zurück im flachen Alpenvorland, in der Zivilisation, mit all den Dingen die so verdammt selbstverständlich sind, ja all das, was wir die letzten Tage von uns gestreift lassen durften, überkommt mich eine Dankbarkeit, wie ich sie selten erlebt habe.
Ich danke meinen Teampartnern, Réka, Julia und Paul, die in einer seltenen Selbst- und Gruppenverantwortlichkeit, den Spaß, die Freude und die Lust am Skibergsteigen nicht zu kurz haben kommen lassen. Nebenbei eine tolle, körperliche, bergsteigerische Leistung erbracht haben, mich, da wo ich es benötigt habe, auch wieder dazu bewegen konnten, meine eigene Leistung abzurufen. Ja, eigentlich sollten wir gleich weiter machen und die Anden von Nord nach Süd durchqueren...
Dank gilt auch Sepp, der immer noch nicht weiß wie das Wetter wird...

Autor: Wolfgang Leistner  


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Etappe 1: Eschenlohe - Garmisch
Etappe 2: Garmisch - Kühtai
Etappe 3: Kühtai - Winne- bachseehütte
Etappe 4: Winnebach- seehütte - Sölden
Etappe 5: Sölden - Vernagt-Hütte
Etappe 6: Vernagt-Hütte - Hochjoch Hospiz
Etappe 7: Hochjoch Hospiz - Similaunhütte
Etappe 8: Similaunhütte - Zufallhütte
Etappe 9: Zufallhütte - Cogolo
Etappe 10: Cogolo - Breguzzo
Etappe 11: Breguzzo - Garda